Der vergessene aktive Schallschutz
Fluglärm über Nauheim und Königstädten

Petitionsbegehren: Aktiver Schallschutz

 

Pet 1-19-12-962-008102, eine Eingabe an den Deutschen Bundestag

 

Mit Inkrafttreten des ‚Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm‘ am 30. März 1971 (FluglärmSchG) wurde aktiver Schallschutz an deutschen Flughäfen definitiv eingeführt, aber im Gesetzestext zur Lärmschutzbereichs-Verordnung nicht als Schutzziel übernommen.

Im Rahmen der laufenden Novellierung des ‚Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm‘ wird ein Beschluss vom Deutschen Bundestag begehrt, der mit einer Zufügung den Bestand von „aktivem Schallschutz“ klarstellen soll.

 

Die begehrte Zufügung (kursiv):

  • FluglärmSchG § 4 (2): Die Festsetzung des Lärmschutzbereichs erfolgt durch Rechtsverordnung der Landesregierung ‚unter Berücksichtigung des aktiven Schallschutzes im urbanen Umfeld des Flugplatzes‘. Karten und Pläne, die Bestandteil der Rechtsverordnung sind, können dadurch verkündet werden, dass sie bei einer Amtsstelle zu jedermanns Einsicht  archivmäßig gesichert niedergelegt werden. In der Rechtsverordnung ist  darauf hinzuweisen“.

 

Lärmschutzbereichsverordnung siehe:

https://www.gesetze-im-internet.de/flul_rmg/__4.html

 

Zur Ausgangslage:

Sogenannter „aktiver Schallschutz“ wurde an deutschen Flughäfen mit Einsatz von Radarführungsstrecken möglich. Umsichtig positionierte Bodennavigationsanlagen (Funkfeuer) erlaubten gebündelte Abflugverfahren-abseits-von-Siedlungen… den sogenannten „leisen“ Abflugverfahren.

Seitdem wird vom ‚Primärschutz‘ für Höchstbetroffene an Flughäfen gesprochen.

Entsprechende Radarführungsstrecken-über-Grund liefern seitdem die Berechnungsgrundlage für das nachgeschaltet Regelwerk des passiven Schallschutzes (Linien-gleicher-Lautstärke = Isophonen-Kennfelder, sogenannte Schutzzonen, Baubeschränkungen, Lärmentgelte usw.).

 

1.)  Fazit und 2.) Lärmerfahrung am Frankfurter Flughafen:

 

1. „Aktiver“ und „passiver“ Schallschutz sind im Regelwerk von Lärmschutzbereichen seit Inkrafttreten des ‚Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm‘ am 30. März 1971 verzahnt und gekennzeichnet durch Maßnahmen zur Schallquelle (Abstand zum Flugzeug = aktiver Schallschutz) und Lärmschutz (Mindern von Schallübertragung = passiver Schallschutz).

2. Willkürlicher Bruch mit aktivem Schallschutz ist am Beispiel der Fraport-Flughafenerweiterung mit gestiegener Lärmbelastung verbunden (Südumfliegung) trotz rezessiver Verkehrsentwicklung. Hierzu sprechen die quasi-konstanten Verkehrszahlen vom Frankfurter Flughafen in den letzten zwölf Jahren für sich:

·       2005      =    490.147 Flugbewegungen/Jahr (Maximalwert)

·       2017      =    475.537 Flugbewegungen/Jahr (~Mittelwert)

In 12 Jahren blieben die Flugbewegungen demzufolge auf einem Niveau zwischen ~475.000 +/- ~15.000/Jahr hängen(!)… Früher prognostizierte Wachstumsraten erwiesen sich als „heiße Luft“.

Anmerkung: Wie der Maximalwert von 2005 zeigt, hätte es bislang nicht einmal einer vierten Landebahn Nordwest bedurft (Inbetriebnahme war 2011)!

 

Anmerkung:

Mit stagnierenden Verkehrszahlen geht 2017 das Einführen eines neuen Geschäftsmodelles bei Fraport einher: Mehrfachumläufe mit Kurzstrecken-Billigfliegern brachten mit 512.115 Flugbewegungen im Jahr 2018 prompt einen Aufwärts-Ruck. Nach Fertigstellung eines dritten Terminals soll dann die Kapazität um ~200,000 Flugbewegungen auf 701.000/Jahr hochgefahren werden: 200.000/Jahr würden – zum Vergleich – in etwa dem Verkehr am Düsseldorfer Flughafen entsprechen.

Auf das neue Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Immissionseinsparungs-Zielen wird an dieser Stelle eindringlich hingewiesen: Der von Fraport geplante zusätzliche Verkehr könnte mit einem zusätzlichen Großflughafen in Deutschland verglichen werden und die Grundidee des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm von 1971 ad absurdum führen:

  • Fluglärm- und Klimaschutz würden zur Nebensache… eine Gefahr, die an allen deutschen Flughäfen zu befürchten ist, sollte der aktive Schallschutz in Lärmschutzbereichen tatsächlich mit Hilfe der zweiten Novellierung durch den 19. Deutschen Bundestag gecancelt werden.