Der vergessene aktive Schallschutz
Fluglärm über Nauheim und Königstädten

Wieviel Frankfurter Flughafen verträgt unser Klima?


Der Deutsche Bundestag hat die hessische Gesetzesinitiative abgelehnt, mit der das Frankfurter Lärmobergrenze-Modell legitimiert werden sollte. Im Gegensatz zu bislang bekannten lärmgeminderten Flugverfahren, die von vermeidbarem Fluglärm gekennzeichnet sind, wären gemäß hessischer Initiative auch unzumutbare Einzelschallereignisse zulässig, die lediglich einem willkürlich festgelegten Lärmindex zugeführt würden.

Vom weisungsbefugten Wirtschaftsminister HMWEVW werden ursprünglich etablierte Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit am Frankfurter Flughafen wie folgt zurückgefordert:


Offener Brief

Hessisches Ministerium HMWEVW für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Herr Staatsminister Tarek Al Wazir

Kaiser-Friedrich-Ring 75

65185 Wiesbaden


Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit am Frankfurter Flughafen wieder herstellen


Sehr geehrter Herr Staatsminister,

die Verkehrszahlen am Frankfurter Flughafen wurden für das Jahr 2020 auf 701.000 Flugbewegungen vorhergesagt. Bereits 12 Jahre vor diesem Termin ging der Verkehr Jahr für Jahr kontinuierlich zurück, das Ziel 701.000 p. a. bekanntlich signifikant verfehlt. Zusätzlicher, pandemiebedingter Rückgang drückte das Verkehrsvolumen auf ein Niveau, wie es von den 1980‘er Jahren bekannt ist (< 300.000 p. a., siehe Chart 15-1 im Anhang).

Trotzdem ist für Abflüge-25-nach-Süden quasi koordinationsfreie ‚Seitenstaffelung‘ *) (sog. unabhängige Betrieb) eingesetzt worden, was ursprünglich zur Abwicklung von 701.000 Flugbewegungen p. a. entwickelt worden ist: Eine hierauf abgestimmte und gesetzlich nicht legitimierte Lärmkontingent-Regel (!) missachtet bürgerliche Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit mit willkürlichen Überflügen im Südwesten.

Beanstandungen:

[ Mit unglaublicher Dreistigkeit strebte die Hessische Landeslegislative – übrigens erstmalig  im Jahr 2011 – eine koordinationsfreie Staffelung von Wirbelschleppenabständen am Frankfurter Flughafen an (Südumfliegung zu 18-West), obwohl mit einer neuen Rollbahn zusätzliche, sich doppelnde Flugverfahren einstellten (… bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) wurde bereits 2012 eine „schwere Störung“ mit der Südumfliegung aktenkundig).

Zehn Jahre später perfektioniert das weisungsbefugte HMWEVW die koordinationsfreie Staffelung der Südumfliegung: Mit einem in Richtung Westen signifikant ausladenden Abflugradius beim ersten Turn nach Süden, wird drastische Fluglärm-Mehrbelastung im Westen und Südwesten am Flughafen manifestiert (siehe Chart 27 im Anhang).

Trotz pandemiebedingter  Verkehrsausdünnung – darüber hinaus ungeachtet der gesetzlichen Nachtruhe – leiden Flughafen-Anrainer unter bis zu dreifach gestiegenem Fluglärm, ausgelöst durch (brutalstmöglicher Rücksichtslosigkeit von…) ‚koordinierungsfreien Seitenstaffelungen‘ der Südumfliegung (siehe Chart ‚Anhang 22‘) ].

An die Rückabwicklung auf koordinierte laterale Staffelung*) nach Süden wird hiermit zum wiederholten Mal erinnert:

Zusammenfassung:

1. Das Bundesaufsichtsamt für Flugwesen (BAF) wies der DFS Deutschen Flugsicherung den Luftraum eines lärmgeminderten Abflugverfahrens-25-nach-Süden zur Frankfurter Flughafenerweiterung zu (… das mit „Nachtroute“ bekannt gemachte Flugverfahren).

2. Dieses Flugverfahren erscheint notwendigerweise in der DFS-Radarführungs-Streckenkarte ‚Minimum-Noise-Departure-Routing‘ vom 21. Okt. 2011 als obligatorischer Kartenanhang zur Lärmschutzbereichs-Verordnung am Flughafen (siehe Chart 6-1 im Anhang: Flugausgang ‚3‘).

3. Der Wirtschaftsminister HMWEVW missachtete diese BAF-Abwägung zugunsten von vermeidbarem Fluglärm; statt dessen wurde eine Initiative zur Umsetzung der Lärmkontingent-Lösung-„Lärmobergrenze“ per Bundesgesetz auf den Weg gebracht:

4. Diese Gesetzesinitiative lehnte der Deutsche Bundestag (DBT) mit Drucksache 1927211 im Mai 2021 ab:

Ohne Legitimation in einem Bundesgesetz ändert sich der Lärmobergrenze-Status am Frankfurter Flughafen von ‚regelwidrig‘ auf ‚rechtswidrig‘. Offensichtlich nicht vereinbar mit objektivem Recht ist – Basis ist geregelter vermeidbarer Fluglärm – folgende Initiative, Zitat aus 1927211: „Die Lärmobergrenze wird am besten in Form eines Lärmindex eingeführt, der ein Produkt ist aus der Anzahl der Betroffenen und den einzelnen Lärmpegeln, denen diese ausgesetzt sind“.

Fazit:

• Das neue Fluglärmschutzgesetz des Hessischen Wirtschaftsministers HMWEVW fällt mit der umstrittenen Lärmobergrenze durch (… was übrigens in der Öffentlichkeit bisher noch wenig bekannt sein dürfte!).

• Die BAF-Zuweisung für eine lärmgeminderte Variante liegt vor (siehe 1.).

• Es bedarf der gemäßen Lärmschutzbereichs-Verordnung durch den Hessischen Wirtschaftsminister HMWEVW.

Die Funktion einer Südumfliegung wird von der lärmgeminderten Nachtroute übernommen und bürgerliches Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit befriedet.

Ich bitte höflich um Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Horst H. Walter


*) sicherheitsrelevante Wirbelschleppen-Abstands-Staffelung Südumfliegung zu 18-West**)

**) Bei Westlage (BR-25): Keine koordinationsfreie Staffelung von 18-West nach Südwesten (Doppelungsgefahr mit der Südumfliegung!)

BCC: FLK-Frankfurt, Fluglärmbetroffene, Presse