Der vergessene aktive Schallschutz
Fluglärm über Nauheim und Königstädten

Kein scharfes Schwert gegen Fluglärm?


Juli 2022

"In Sachen Fluglärmminderung" resümiert der Landrat des Kreises Gross-Gerau "ist der neue Lärmaktionsplan für den Frankfurter Flughafen vom April 2022 kein scharfes Schwert". Von einer detaillierten Stellungnahme mit 25 Änderungs-Anregungen seiner Öffentlichkeitsarbeit wurden die meisten nicht berücksichtigt.

Bei allem Fleiß seiner Behörde bleibt noch eine Information zum Ergebnis der groß angekündigten Dreiländer-Gesetzesinitiative 'Fluglärm mindern…' im Dunklen, welche gemeinsam von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Jahr 2015 medienwirksam startete.

Das Ergebnis ist zwischenzeitlich bekannt: Die Antragsteller versteckten unter dem Titel 'Fluglärm mindern, die Menschen in den Flughafenregionen besser schützen' das Ziel, Rechtssicherheit für das Frankfurter Flughafen-Lärmobergrenze-Modell per Bundesgesetz festsetzen zu lassen. Zitat aus dem Gesetzesantrag: 'Die Lärmobergrenze wird am besten in Form eines Lärmindexes eingeführt'.  Diesen Gesetzesvorschlag lehnte der Deutsche Bundestag am 20. Mai 2021 ab, nachdem zuvor bekannt wurde, dass für Flughafenerweiterungen vermeidbarer Fluglärm (aktiver Schallschutz) außer Kraft gesetzt und durch Lärmkontingente (Lärmobergrenze) ersetzt werden sollte.

Diese Ablehnung durch den Deutschen Bundestag zur umstrittenen Lärmobergrenze (… bzw. Vorgehensweise: Landesverantwortung sollte auf Bundesverantwortung abgeschoben werden) dürfte allen Verantwortlichen pro Fluglärmschutz rund um den Frankfurter Flughafen bestens bekannt sein!
Seitdem verfügt der Landrat des Kreises Gross-Gerau offensichtlich über ein exzellent scharfes Schwert gegen Fluglärm:

Einfordern des komfortabel-breiten-Luftkorridors über unbebautem Gelände seines Landkreises im Südwesten am Flughafen… zwecks Wiedereinführung eines lärmgeminderten Abflugverfahrens der Abflüge-25-nach-Süden (beispielsweise Nachtroute anstelle der Südumfliegung).

Seinen fünfundzwanzig 'Anregungen' bräuchte der Landrat nur noch eine 'Forderung' hinzufügen… müsste dazu aber über seinen Schatten springen.



Zurück zu vermeidbarem Fluglärm


Per Einschreiben

Hessisches Ministerium HMWEVW für
Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
Herr Staatsminister Tarek Al Wazir
Kaiser-Friedrich-Ring 75
65185 Wiesbaden


10. März 2022


Frankfurter Flughafen: Vermeidbaren Fluglärm wieder herstellen


Sehr geehrter Herr Staatsminister,

im Dezember 2021 ließen Sie der Fluglärmkommission Flugspuren von Verkehrsflugzeugen präsentieren, die mit dem zukünftigen Standard einer satellitengestützten Navigation ausgerüstet waren. Mit präziser Reproduzierbarkeit führten diese zu unzumutbarem Fluglärm über Höchstbetroffene im Südwesten des Flughafen-Lärmschutzbereiches.

Die Zulässigkeit entsprechender Überflüge basiert auf Entscheidungen Ihres Hauses als zuständige Genehmigungsbehörde mit Maßnahmen im Jahr 2011 (Lärmschutzbereichs-verordnung) und im Jahr 2017 (Gültigkeitserklärung des Lärmobergrenze-/Lärmindex-Modelles).

(Des Weiteren wird an bereits Bekanntes erinnert…)

Demgegenüber wurde eine von Ihnen 2015 in der Länderkammer eingereichte Gesetzesinitiative, demzufolge die in Hessen geltende Lärmobergrenze per Bundesgesetz legitimiert werden sollte, im Mai 2021 vom Deutschen Bundestag abgelehnt. Darüber hinaus kennen Sie die richterlichen Rügen zur Südumfliegung vor dem Hessischen Verwaltungs-gerichtshof von 2013 und 2019 mit der Abwägung für Höchstbetroffene im Südwesten: ‚Willkürlich' und ‚unzumutbar laut'.

Es wäre an Respektlosigkeit nicht zu übertreffen, wenn Sie sich einer (selbst eingeleiteten!) Entscheidung der übergeordneten Bundes-Legislative entziehen sowie Abwägungen der obersten Hessischen Verwaltungs-Exekutive weiterhin ignorieren würden. Und: Haben Sie überdies die Schutzbedürftigkeit von Höchstbetroffenen im Südwesten am Flughafen noch im Blick?

Es geht an Sie hiermit erneut der dringende Aufruf, ein lärmgemindertes Abflugverfahren im Südwesten am Frankfurter Flughafen wieder einführen zu lassen (Vorschlag siehe Chart 28 im Anhang).
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Mit Kopie dieser E-Mail wird das Management der DFS Deutschen Flugsicherung gebeten, ihre Flugverfahrensplaner auf eine Anweisung der Genehmigungsbehörde HMWEVW vorbereiten zu lassen mit dem Ziel, ein lärmgemindertes Abflugverfahren im Südwesten des Frankfurter Flughafens wieder einzuführen.

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung BAF wird gebeten, eine erneute Abwägung der koordinationsfreien Seitenstaffelung durchführen zu lassen nach nunmehr geklärter Rechtslage zur umstrittenen Lärmobergrenze... siehe Bundestagsitzungsprotokoll vom 20. Mai 2021 im Anhang sowie entsprechende Beschlussempfehlung des Verkehrsausschusses: https://dserver.bundestag.de/btd/19/297/1929718.pdf.
Begehrtes Ziel: Erneutes Anfliegen des lärmgeminderten Flugausgangs-Radial R 224 FFM nach Südwesten… analog zu ersten FFM-Kartendaten entsprechend Chart 28-1 im Anhang.

Mit freundlichen Grüßen

Horst H. Walter


Kopie an:

Geschäftsleitung der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH:
Herr Arndt Schönemann, Vorsitzender
Frau Dr. Kerstin Böcker, Personal
Herr Dirk Mahns, Presse
Herr Friedrich-Wilhelm Menge, Technik
Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung BAF:
Herr Karsten Baumann, Direktor BAF
Frau Kerstin Weber, Sprecherin BAF